Stefan Kritzenberger


Erinnerungen an Stefan Kritzenberger

Erinnerungen an Stefan Kritzenberger

13.07.1966 - 29.05.2019

Hiobsbotschaft!
Stefan Kritzenberger ist am 29.05.2019 völlig überraschend an einen Herzinfarkt verstorben.
Ein paar Tage zuvor traf ich Stefan noch vor dem alten Finanzamt in Deggendorf, als er dort sein Auto parkte und schwer fällig aus dem Wagen stieg.
"Was ist los mit dir?" fragte ich ihn und als er mir mitteilte, dass es ihm nicht so gut ginge und er auf dem Weg zum Doktor sei, bot ich ihm an, ihn zu begleiten.
"Geht schon, sind nur ein paar Schritte", lehnte er dankend ab.
"Bis zum nächsten Mal", verabschiedeten wir uns von einander mit Handschlag.
Immer höflich, möglichst unauffällig, sich nie aufdrängend, schweigsam gegenüber Fremden, sprachbegabt. In seiner Freizeit übte er schwedisch, tschechisch, französisch, chinesisch und viele andere Sprachen. Vor allem war er eine Leseratte, wie es keine zweite gab; dazu fuhr er gern nach München, Prag, Bozen, um sich mit Sprach- und Lesestoff zu versorgen.
An manchen Wochenenden, meistens Freitags, saß er bei mir, kam schon zeitig, um mit mir noch ein paar Worte über Bücher oder den Alltag zu wechseln.
Stefan war ein guter Zuhörer, konnte seinen Gegenüber, wenn er ihn nicht kannte, aber zur Verzweiflung treiben, weil er stumm blieb wie ein Fisch. Wenn man ihn direkt ansprach und er bereit war für eine Antwort, konnte man sich auf interessante Tischgespräche mit ihm einstellen.
Es waren Abende dabei, da saß Stefan bis zu fünf Gesellschaften aus, ohne ein Wort zu sagen außer der Bestellung.
Früher war er oft mit seinen Freunden Manfred und Rainer hier.
Sie spielten nebenbei Karten, lachten und erzählten sich viel.
Oft saß er mit Lugg, Marion, Wolfgang und Franz beisammen und war immer ein angenehmer Gesprächspartner.
Stefan blieb gern bis zum Schluss des Abends und wenn möglich setzte ich mich noch dazu, denn man konnte sich mit ihm sehr gut unterhalten.
"Ich möchte 100 Jahre alt werden", meinte er dann öfters.
"Nur, wenn du gesund bleiben darfst!" war meine Antwort.
Obwohl Stefan vor ein paar Jahren einen schweren Schlaganfall erlitten hatte, den er aber gut wegsteckte, dachte er immer positiv. Er wusste ja, dass die hundert Jahre für ihn unerreichbar waren.
" Noch nie fand ich einen Gesellschafter, der so gesellig war wie die Einsamkeit."
Dieses Zitat aus dem Buch "Walden" von H.D.Thoreau ist wie für Stefan geschrieben.
Mit diesen letzten Worten möchte ich, lieber Stefan, meine Verbindung und Freundschaft zu dir ausdrücken. Du warst der Gast, den sich jeder Gastgeber erwünscht.
Schweigsam, wenn nötig und Rede bereit zur rechten Zeit.

Mach es gut, in unserem Lokal, deiner Stammkneipe, bleibst du unvergessen

dein Otto