Hans Flexeder


Zur Erinnerung an Hans Flexeder

17.07.55 – 17.08.08 Juli 2014

Es ist schon einige Jahre her, dass Hans verstorben ist. Der Flexeder Hans war ein Musikgenie, der blind nach Gehör alles spielen konnte, was ihn an musikalischen Beiträgen anderer erreichte. Ein Entertainer der etwas gröberen Sorte, dessen Humor auch manchmal unter die Gürtellinie ging, aber ein Herzensmensch, den man halt kennen musste, um ihn zu mögen. Doch wenn er ein Instrument in die Hand nehmen durfte, wurde aus dem Wolf ein Lamm. Auf seiner Diatonischen spielte er oft bei vielen Musikantentreffen. Da war er Profi durch und durch und als Musiker sehr gefragt. Im Deggendorfer Krankenhaus arbeitete er als Masseur und obwohl er von Natur aus blind war, verstand er viel in seiner Materie. Sein Tastsinn war unerreicht und die Patienten ließen sich gern von ihm helfen. Als Gast in meiner Kneipe war er von mir gern gesehen, obwohl er sehr anstrengend war. Er brauchte ununterbrochen Unterhaltung und dementsprechend reagierte er auf Langeweile. Er lauerte im wahrsten Sinne des Wortes auf seinen Einsatz. Hatte er seine Halbe Bier ausgetrunken und ich brachte nicht schnell genug ein Neues, ließ er sein Glas „versehentlich“ einfach auf den Boden fallen. Jetzt hatte er wieder Aufmerksamkeit, auch wenn er geschimpft wurde. Den Status des Blindseins nutzte er weidlich aus und so durfte er sich mehr erlauben, als jeder andere. Ganz anders war er, wenn sich jemand an den Tisch setzte und mit ihm ein Gespräch begann. Wenn so ein Abend sich dann auch noch zu einem musikalischen entwickelte, dann war es auch für mich ein Vergnügen, ihn hier zu haben. Zum Glück machte er sich oft etwas, meistens am Donnerstag, mit seinen Freunden Wetzler Sepp oder Dollmaier Gerhard aus. Gerhard, der selbst ein hervorragender Musiker war, organisierte dann im kleinen Nebenzimmer Musikabende, die dann zu einem Highlight wurden. Dabei wurde bei Wein, Bier und Gesang oft die Sperrstunde übersehen. Die Abende endeten so manches Mal mit dem Sonnenaufgang und dem entsprechend lang waren am nächsten Tag die Gesichter. Ich habe Hans oft spätnachts heimgebracht und jedes Mal erlebte ich ein kleines Desaster. Da er im Schwesternwohnheim wohnte und ja Aufmerksamkeit brauchte, läutete er um drei oder vier Uhr morgens an allen Klingeln und versuchte alle aufzuwecken. Es waren nicht immer freundliche Worte, die da aus den Lautsprechern erklangen und zur Haustür habe ich ihn daraufhin nie mehr gebracht. Manchmal fuhr ich ihn auch mit dem Auto heim und er blieb einfach sitzen, weil er noch reden wollte. Direkt in unserer Nachbarschaft lebte ein Hahn mit seinen Hühnern, da krähte Hans um 1 Uhr abends so lange, bis der Hahn entnervt auf das Geschrei einstieg und die Nacht zum Morgen machte, sehr zum Leidwesen der Nachbarn. Hans Motto war egoistisch: „Wenn ich nicht schlafen kann, sollen es die anderen auch nicht.“ Einmal kam er vom Weißbräu und erzählte stolz, dass er gerade eine Wette gewonnen habe. Der Wetteinsatz waren 20 Weißwürste; Hans verschlang sie in ein paar Minuten. Er betrieb Raubbau mit seinem Körper, schonte sich nicht und musste dem ganzen irgendwann einmal Tribut zollen. Ein Schlaganfall warf ihn um und danach lebte er noch ein paar Jahre gesund, aber leider kam die Einsicht doch zu spät. Hans verstarb nach einem zweiten Infarkt am 17.08.2008 im Alter von 53 Jahren.

Erinnerung bleibt für einen begnadeten Musiker, der die Geselligkeit liebte und nichts mehr hasste als die Langeweile.

Mach es gut, Hans und bring die da droben auch so durcheinander wie uns auf Erden, auf dass da oben keine Langeweile aufkomme.

Dein Otto Schober